Kinderbehandlung
 
Es ist die ureigenste Aufgabe der Orthopädie, Kinder zu einem geraden Wachstum zu verhelfen. Dazu gehört die Behandlung von Deformitäten der Füße, der Kniegelenke, der Hüftgelenke und im eigentlichen Sinne die Behandlung der schiefen Wirbelsäule. Der Stellenwert von Apparaten ist deutlich zurückgegangen, seitdem wir in der Früherkennung wesentliche Fortschritte gemacht haben. Mit der manuellen Medizin haben wir in den letzten Jahrzehnten eine hoch effektive Methode entwickelt, frühzeitig Fehlstellungen der Wirbelsäule zu beeinflussen. © bilderbox - Fotolia.com
Der Beckenring besteht aus mehreren Knochen, was vielen nicht bewusst ist. Die Gelenke zwischen diesen Knochen haben oft Funktionsstörungen, wodurch sich das Becken verdreht - die Wirbelsäule wächst schief.
Die Behandlung dieser Störungen ist ein sehr dankbares Feld der manuellen Therapie und ermöglicht den Kindern in fast allen Fällen ein gerades Wachstum der Wirbelsäule. Durch diese Behandlung haben wir in den letzten Jahren kaum noch ausgeprägte Skoliosen gesehen. Durch die manuelle Medizin sind wir auch in der Lage, Fehlstellungen und Funktionsstörungen der Halswirbelsäule zu behandeln. Diese Störungen sind bei Säuglingen und kleinen Kindern relativ häufig und beeinflussen deutlich die motorische und damit auch geistige Entwicklung eines Säuglings.
Zum Thema ...
Zu den angeborenen Störungen gehört der so genannte Klumpfuß, welcher sehr schwer ausgeprägt sein kann. Derartige Fehlbildungen werden so früh es geht mit Gipsverbänden behandelt und regelmäßig überwacht. Nicht immer ist später eine Operation zu vermeiden. Zur Prophylaxe und Therapie von angeborenen Störungen der Hüftgelenke wird ab der vierten Lebenswoche eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Bei Erkrankungen werden die Kinder mit Spreizbandagen behandelt. Die Möglichkeiten von Fußfehlstellungen älterer Kinder sind vielfältig. Je nach Fehlform werden diese Füße mit Einlagen versorgt.
Zum Begriff ...
Als erste orthopädische Maßnahmen haben vor etwa 300 Jahren geschickte Handwerker versucht, durch spezielle Apparate schwere angeborene Fehlbildungen von Kindern zu korrigieren. Diese Bemühungen wurden bereits in einigen Schriften festgehalten. Das erste eigentliche Lehrbuch zur Orthopädie hat jedoch Nicolas Andry im Jahr 1744 verfasst. Dieses Werk trägt den Titel: "Orthopädie oder die Kunst, den Kindern die Ungestaltheit des Leibes zu verhüten und zu verbessern. Alles durch solche Mittel, welche in der Vaeter und Muetter, und aller der Personen Vermoegen sind, welche Kinder zu erziehen haben". Andry hat auch den Begriff Orthopädie geprägt. Dieses Wort setzt sich zusammen aus dem griechischen "ortho" (gerade, aufrecht, richtig) und dem griechischen "paideia" (Erziehung eines Kindes). In den Begriffen Pädiatrie und Pädagogik kehrt dieser Wortstamm wieder. Das Symbol der Orthopäden, das so genannte Orthopädenbäumchen - der junge Stamm wird durch eine Stütze zum geraden Wachstum angeregt - geht ebenfalls auf Andry zurück.